Geschichte in modernem Gewand: Filmkritik zu „Maria Magdalena“ von Garth Davis

Christopher Hechler 19. Juli 2018 0
Geschichte in modernem Gewand: Filmkritik zu „Maria Magdalena“ von Garth Davis

Das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung: Die junge Maria lebt gemeinsam mit ihrer Familie in einem kleinen Fischerdorf, streng traditionell und eingeschränkt in ihrem freien Willen. Starre Hierarchien bestimmen ihr Leben für sie, bis das Dorf eines Tages von einer Gruppe Männer auf Mission besucht wird. Sie reden von großen Veränderungen, von einer neuen Welt und folgen dabei dem, der all das bringen soll: Jesus von Nazareth. Maria weiß, dass ihre wahre Bestimmung nicht in dem Fischerdorf zu finden ist und schließt sich der Gruppe um Jesus und seinen späteren Aposteln an. Auf sie wartet eine spirituelle Reise, die sie bis nach Jerusalem führt, wo sie nicht nur ihrem eigenen Schicksal entgegentreten muss.

Bevor Maria Magdalena 2016 durch Papst Franziskus den männlichen Aposteln gleichgestellt wurde, war sie über Jahrhunderte hinweg von der westlichen Kirche als Sünderin gebrandmarkt. Regisseur Garth Davis („Lion – Der lange Weg nach Hause“) nutzt diesen Hintergrund als Aufhänger und nimmt sich mit dem schlicht „Maria Magdalena“ betiteltem Biopic nun der Geschichte dieser zentralen Bibelfigur an und interpretiert ihren Lebensweg in modernem Gewand.

Das man als Zuschauer von beginn an eine starke Verbindung zur Figur der Maria aufbauen kann, liegt an der großartigen Rooney Mara. Gerade im ersten Drittel ist Marias Geschichte ja vor allem eine von Unterdrückung, von strengen Hierarchien, patriarchalischem Machtmissbrauch, Emanzipation und dem Kampf um Freiheit, einem Recht auf den eigenen Willen. Mara spielt ihre Maria dabei mit so viel Tragik, so viel Traurigkeit und gleichzeitig soviel stärke in ihrem Blick und ihrer Mimik, dass es ein leichtes ist, sich zu identifizieren und mitzufühlen.

Das macht es umso ärgerlicher, dass mit zunehmender Laufzeit der Fokus auf den anderen großen Hauptdarsteller rückt. Zwar darf man auch bei dem von Joaquin Phoenix verkörperten Jesus ein faszinierendes Schauspiel bewundern, insgesamt rückt dabei Marias Geschichte aber zu sehr in den Hintergrund. So entsteht das Gefühl, dass trotz neuer Interpretation und gegebener Aktualität doch nur an der Oberfläche gekratzt wurde.

Keinen Schnitzer hingegen erlaubt sich Davis bei der Szenerie. Weite Landschaftsaufnahmen, intime Charaktermomente und tolle Sets werden von der Kamera gleichermaßen gut eingefangen und erzeugen eine dichte, fast schon träumerische Atmosphäre. Der Grundton des Films ist dennoch ein düsterer. Es wird viel geweint und viel gelitten, Momente der Freude sind selten. Auf jeder Szene scheint ein Brocken der Schwermut zu liegen, die spirituelle Reise wird mehr und mehr zur Odyssee. Das funktioniert über weite Strecken des Films gut, erst gegen Ende wird das Geschehen, als auch der Zuschauer, im Pathos nahezu ertränkt.

Trotzdem: „Maria Magdalena“ ist ein sehenswertes Biopic geworden, dass mit tollen Bildern und großartigen Hauptdarstellern punkten kann. Die schwermütige und spirituell angehauchte Inszenierung des Films setzt auf Seiten der Zuschauer allerdings Offenheit für die Thematik voraus.

 

 

Beitragsfoto: © 2018 Universal Studios

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