„I, Tonya“ Kritik: Margot Robbie glänzt als berüchtigte „Eishexe“

Lida Bach 14. Januar 2018 0
„I, Tonya“ Kritik: Margot Robbie glänzt als berüchtigte „Eishexe“

Craig Gillespies hämische Leinwandversion eines der medienwirksamsten Sportskandale der 90er ist eine Geschichte voller Zynik, Hinterhältigkeit und Heuchelei. Sie bestimmen in zweifacher Hinsicht die aus einander widersprechenden subjektiven Perspektive erzählte Handlung, von deren Wahrhaftigkeit sich die Inszenierung im ironisch überspitzten Einleitungstext distanziert. Das Mitgefühl und der Respekt, den der Regisseur und Drehbuchautor Steven Rogers der unbeugsamen Protagonistin (Margot Robbie) zu gewähren vorgeben, ist eine ähnlich grausame Scharade wie die vom amerikanischen Traum, dem die von ihrer unbarmherzigen Mutter LaVona Golden (Allison Janney) gedrillte Eiskunstlauf-Talent vergeblich hinterher rennt. Tonya Harding erkämpft sich ein paar Medaillen, doch deren Kehrseite ist so hässlich wie das omnipräsente White Trash Milieu.

Das und nicht ein Mangel an Fähigkeit oder Ehrgeiz ist es, dass Tonyas Aufstieg in den Sportolymp vereitelt. Die Preisrichter unterbewerten ihre Leistung, weil die junge Frau aus armem Hause nicht dem im Eiskunstlauf vermarkteten Ideal von sauberer Angepasstheit und bravem Konservativismus entspricht. Doch die unentschlossene Kritik, die I, Tonya an der den Nährboden für den symbolischen Sturz der Anti-Heldin legenden Ungerechtigkeit ist so verlogen, wie es Robbies kettenrauchende und fluchende Hauptfigur dem Eiskunstlauf-Verband zu sein vorwirft. Jedes negative Klischee über Amerikas weiße Unterschicht schlachtet Gillespie genüsslich aus. Der Spott der Mockumentary über Amerikas anhand des O.-J.-Simpson-Falls exemplarisch vorgeführten Sensationsgier fällt auf sie selbst zurück.

Dass Hardings gewalttätiger Ex-Mann Jeff Gillooly (Sebastian Stan), Initiator des Anschlags auf Nancy Kerrigan (Caitlin Carver), nicht als wahres Opfer dasteht, ist vorrangig den herausragenden Darstellerinnen zu danken. Robbie und Janney verleihen ihren Charakteren eine Menschlichkeit, die den Ressentiments der Sportelite genauso trotz wie der Schadenfreude eines Plot, der psychische und physische Gewalt gegen Harding auf einen Running Gag reduziert. Ihr Scheitern feiert Gillespie als ausgleichende Gerechtigkeit für ihre vermeintliche Anmaßung, ihrer Herkunft entkommen zu wollen. Ironischerweise macht gerade diese verkappte Bigotterie Hardings direkte Anklage des Publikums als Mittäter zur beklemmenden Schlüsselszene eines Melodrams, das allein durch seine exzellente Cast und vom Leben vorgelegte Story triumphiert.

Kinostart: 22.03.2018

Beitragsbild © DCM Filmdistribution

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