„Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ Kritik: Keeping it Real für Köche.

Philipp Schmidt 14. Oktober 2015 0
„Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ Kritik: Keeping it Real für Köche.

Carl Casper (Jon Favreau) war einer der innovativsten Sterneköche von Los Angeles – und glücklich verheirateter Vater eines kleinen Sohnes. Aber das ist lange her. Jetzt kocht Carl in Rivas (Dustin Hoffman) Gourmet-Restaurant die immergleichen faden und überteuerten Gerichte für die betuchten Gäste. Seinen Sohn und seine geschiedene Ehefrau sieht er nur noch selten. Carl hat sich arrangiert. Das geht solange gut, bis er von einem der wichtigsten Foodblogger (Restaurant-Kritiker) persönlich über die sozialen Netzwerke für seine uninspirierte Küche beleidigt wird. Die Szene, die er seinem Kritiker dann im knallvollen Lokal macht, wird zum Youtube-Hit. Ganz am Boden, versucht Carl, wieder ganz nach seiner Art zu kochen – er hat einiges nachzuholen.

Ein echtes Herzensprojekt

Jon Favreau, der den Chefkoch Casper mit Leib und Seele verkörpert, ist vor allem als Regisseur des Blockbusters „Iron Man“ bekannt. Für „Kiss The Cook“ vereint er nun Regie, Drehbuch und Hauptrolle in seiner Person. Man merkt, dass es ihm eine Herzensangelegenheit war, die Geschichte des geläuterten Carl Casper zu erzählen. Er schickt seinen Helden und damit auch sich selbst auf eine Selbstfindungsreise quer durch die USA, natürlich gen Westen. Es soll von Miami aus zurück nach Los Angeles gehen, zurück zum eigentlichen Selbst. Er muss seinen kulinarischen Style genauso wiederfinden wie den persönlichen Draht zu seinem mittlerweile 11-jährigen Sohn Percy (Emjay Anthony). Also folgt er dem Rat seiner Frau und bittet deren (Ex-)Lover Marvin (herrlich verquer: Robert Downey Jr. ), ihm einen alten Imbisswagen zu überlassen. Zusammen mit Percy und seinem ehemaligen Souschef Martin (John Leguizamo) macht Casper sich auf, es seinen Kritikern, sich selbst und allen anderen noch einmal zu zeigen: Ehrliche, kreative und mit einem Hauch Lateinamerika gewürzte Imbissküche für jedermann.

Kulinarische und akustische Heilung

Favreau hat seine Komödie mit allem zu würzen versucht, was Spaß macht. Wir sehen Hollywood-Stars in interessanten Nebenrollen. Neben den erwähnten Dustin Hoffmann und Robert Downey Jr., mit dem Favreau bekanntermaßen bei „Iron Man“ zusammengearbeitet hat, auch Scarlett Johannsen als Empfangsdame, die in puncto Schärfe und Rauchigkeit alles Essbare in den Schatten stellt. Zwischen ihr und Casper gibt es eine Szene, in der ein Nudelgericht zum erotischen Ereignis wird.

Und dann ist da noch die Musik: Auch im Akustischen findet Carl Besserung nicht in der weißen Musik, sondern in den dunklen, exotischen Klängen vom schwarzen Blues über karibische Latino-Klassiker bis hin zu wunderbar verfremdeten HipHop-Songs. Zu Letzterem zählt eine entspannte Piano-Version des Wu-Tang-Klassikers  „C.R.E.A.M.“ (Cash Rules Everything Around Me), die sich dann auch wunderbar in Caspers Keep-It-Real-Programm einfügt. Dann sind da natürlich die vielen Songs aus dem Latino-Universum von „Oye Como Va“ bis „Guantanamera“. Und schließlich serviert Favreau mit einem Gastauftritt von Gary Clark Jr. und Band einen besonderen akustischen Leckerbissen aus der jüngsten Generation des schwarzen US-Blues.

Fazit

Jon Favreau hatte mit „Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ seinen Spaß, das spürt man. Und – hungrig geschaut – ist sein Film die reinste Folter geworden, läuft einem doch beim Anblick unzähliger, farbenfrohester Küchenkreationen mehr als einmal das Wasser im Mund zusammen. Auch was  den Sound angeht macht „Chef“, wie der Film im Original heißt, richtig Laune. Nur kann das nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Roadtrip-Komödie am Ende doch ihre erzählerischen Schwächen hat und einen die komischen Pointen nicht immer vom Hocker reißen. Letztlich wird hier eine sehr geradlinige, vorhersehbare Geschichte auf den Tisch gebracht. Wenn man davon allerdings nicht zu viel erwartet und man einem lausig-nasskalten Herbstabend etwas filmische Würze auf DVD verleihen will, dann ist man mit „Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ ganz gut bedient – einem Film, dem letztlich nur etwas vom dramaturgischen Salz fehlt.

„Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ erscheint am 22. Oktober 2015 auf DVD und Blue-Ray!

Beitragsbild und Video (c) Koch Media.

„Kiss The Cook – So schmeckt das Leben!“ Kritik: Keeping it Real für Köche.
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