Boston (Patriots Day): Kritik zum Film über den Boston-Marathon-Anschlag

Sophia Freiheit 22. Dezember 2016 0
Boston (Patriots Day): Kritik zum Film über den Boston-Marathon-Anschlag

Es ist wieder soweit – auch 2017 schwingt Peter Berg wieder gewaltig die U.S. Flagge. Diesmal unter dem passendem Titel: Patriots Day (In Deutschland „Boston„).

Der Film beruht auf den wahren Begebenheiten des Anschlags auf den Boston-Marathon am 15. April 2013 und erzählt die Geschichte von des Polizisten Tommy Saunders (Mark Wahlberg), der am besagten Tag die Zielgerade des Boston Marathons überwachen soll. Die Feierlichkeiten verstummen schlagartig, als es zu zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen kommt. Inmitten der Detonationen befindet sich auch Tommys Frau Carol (Michelle Monaghan). Nachdem alle Verletzten geborgen wurden, beginnt eine Großfahndung nach den mutmaßlichen Tätern des Terroranschlags. Ein Versteckspiel und Wettlauf gegen die Zeit beginnt und den Ermittlern bleiben nur Stunden um den nächsten Anschlag zu verhindern.

Berg bedient sich seinem klassischen Katastrophenthriller-Rezept: man nehme ein aktuelles Ereignis, steckt Mark Wahlberg in die Hauptrolle und unterlegt das Ganze mit einer Menge Drama und Patriotismus. Was bei Deepwater Horizon noch ganz gut geklappt hat, misslingt bei Patriots Day vielmehr – auch wenn das Thema leider so aktuell ist, wie nie zuvor.

Mit einer Spiellänge von 133 Minuten zieht sich der Film in die Länge und schafft es nicht tiefgründig zu werden, denn der Film besteht grundsätzlich aus 2 Teilen: die Vorgeschichte inklusive der Explosionen und die Suche nach den Tätern. Dabei wird zwanghaft die gesamte Geschichte erzählt, wobei der Film die Ereignisse nur anschneidet, worunter besonders die Personencharakteristika stark leiden. Man erfährt nichts über Tommys Privatleben, auch die Beziehung zu seiner Frau wird nur oberflächlich thematisiert. Michelle Monaghan geht daher auch schauspielerisch unter. Die Attentäter werden als muslimische Terroristen stereotypisch dargestellt, ohne wirkliche Hintergründe der Tat zum Thema zu machen. Die Dialoge sind im Allgemeinen sehr primitiv und bestehen zu 80% aus dem bösen F-Wort, was das Ganze teilweise schon lächerlich wirken lässt. Kostüme und Schminke (hier insbesondere Wunden) sind im Großen und Ganzen handwerklich ordentlich gemacht, auch wenn Wahlbergs Augenringe teilweise ein bisschen zu dunkel geraten sind. Natürlich kommen auch Actionfans auf ihre Kosten mit einer Menge ausgedehnter Unfälle, Explosionen und Schießereien a lá Peter Berg.

Doch der Film war nicht nur schlecht: Die Ereignisse wurden vergleichsweise authentisch dargestellt und sind eng an reale Schicksale gebunden. So bietet der Film einen interessanten Überblick über den Anschlag für Menschen, die sich noch nicht tiefer mit dem Fall beschäftigt haben. Teilweise arbeitet Berg auch mit echtem Footage um die Ereignisse authentischer zu machen, was einen interessanten Blickwinkel aufwirft. Kurz vor Abspann sieht man zudem noch Interviews mit den Opfern, was in meinen Augen der beste Teil des Films war. Vielleicht hätte man also lieber eine Dokumentation über den 15. April 2013 gemacht. Da 2017 aber noch 2 weitere Filme (Stronger mit Jake Gyllenhaal und Boston Strong) über die Anschläge des Marathons in die Kinos kommen, bleibt abzuwarten, wie diese das Thema beleuchten.

Boton (Patriots Day) startet am 23. Februar 2017 in den deutschen Kinos.

Beitragsbild: ©STUDIOCANAL.

 

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