„Schrotten!“ (2016) Kritik: „Einmal Schrotti, immer Schrotti!“

Dorit Scharf 23. Mai 2016 0
„Schrotten!“ (2016) Kritik: „Einmal Schrotti, immer Schrotti!“

Die Talhammers sind ein Clan. Eine Familie, die seit Generationen zusammenhält und sich gemeinsam ihrer Berufung hingibt – dem Schrotten. Ihr Kampfspruch: „Lieber tot als Sklave!“. Das war schon immer so und so soll es auch bleiben. Familie und Schrott sind die beiden höchsten Güter für die Talhammers.

Nur nicht für Mirko Talhammer (Lucas Gregorowicz). Er hat den Schrottplatz verlassen, studiert und verdient sein Geld nun mehr oder weniger sauber in einer Hamburger Versicherungsfirma. Die Bauwagenromantik ist eine dunkle Erinnerung für ihn – bis zum Tod seines Vaters. Mit einem Schlag (wörtlich zu nehmen) wird er wieder auf den Schrottplatz in die Provinz katapultiert. Hier erwarten ihn sein Bruder Letscho (Frederick Lau), der Mirko es immer noch übel nimmt, dass er damals die Familie verlassen hat. Damit nicht genug, sind die Brüder nun beide Erben des Schrottplatzes. Der steht allerdings kurz vorm Ruin. Er ist der letzte unabhängige Schrottplatz, den ihr Konkurrent, der Großunternehmer Kercher (Jan-Gregor Kremp), noch nicht aufgekauft hat. Und der scharrt schon mit den Füßen und hat den Übernahmevertrag bereits in der Schublade. Die einzige Rettung, die Talhammer Senior gesehen hat, ist ein Coup im großen Stil: der Raub eines Zugwagons voller Kupfer. Den Plan dafür ist jetzt Teil von Mirkos Erbe.

Eine verzwickte Lage für Mirko. Er will nicht zurück in seine Schrotti-Vergangenheit und er braucht Geld. Denn seine Versicherungsfirma hat so ihre eigene Methoden um Kunden zu gewinnen. Der Verkauf von dem Schrottplatz scheint da eine gute Lösung zu sein…

(c) Port au Prince Pictures GmbH Die Brüder Mirko (Lucas Gregorowicz) und Letscho (Frederick Lau) haben so einige Meinungsverschiedenheiten. (c) Port au Prince Pictures GmbH

„Hör doch auf mit diesem Pathos-Scheiß!“

Unter der Regie von Max Zähle (Großstadtrevier, diverse Kurzfilme) ist mit Schrotten! eine unterhaltsame Komödie entstanden, die den Zuschauer in die Welt des Schrotts entführt. Es geht um den Kampf der kleinen Unternehmen gegen die großen, Familie und Gemeinschaft gegen Selbstverwirklichung, scheinbar rückständiges Provinzleben gegen das Stadtleben der Möglichkeiten. Mirko verkörpert die selfmade Erfolgsstory: trotz bildungsfernem Familienumfeld ist er als Akademiker in die Geschäftswelt einstiegen, hat Matsch und Schrott hinter sich gelassen und sitz im gebügelten Hemd in einem modernen Büro.

Seine Familie dagegen personifiziert die Hinterwäldler: Konflikte werden nicht in Diskussionen sondern mit einer anständigen Schlägerei gelöst und ein unverständlicher Kauderwelsch grenzt sie gegen Behördendeutsch ab. Ihre Feinde sind behördliche Strukturen und natürlich der Großkapitalist, der die kleinen Unternehmen schluckt und ihre Unabhängigkeit nimmt.

Aber so unterschiedlich Mirko und seine Sippe sind, so sehr brauchen sie sich allerdings auch. Und ein Stück weit geht es auch um scheinbar verschrottete Werte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt, die sich letztendlich als stärker erweisen als die individuelle Selbstverwirklichung (die in Mirkos Fall auch eher so mittel geklappt hat).

Insgesamt ist Schrotten! eine wirklich charmante Komödie, die mit seiner kleine Kapitalismuskritik und einem entspannten Soundtrack gut unterhält. Seit dem 5. Mai läuft der Film in den deutschen Kinos.

„Schrotten!“ (2016) Kritik: „Einmal Schrotti, immer Schrotti!“
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