Star Wars – Das Erwachen der Macht (2015) Kritik: Möge die Innovation mit Ihnen sein

Bernhard 16. Dezember 2015 1
Star Wars – Das Erwachen der Macht (2015) Kritik: Möge die Innovation mit Ihnen sein

Der Kinomoment des Jahres ist gekommen: Endlich, endlich kommen die ausgehungerte Science-Fiction-Fanatiker und 80er Nostalgiker in uns in den Genuß der lang ersehnten Fortsetzung der Star Wars-Reihe. Nach der Übernahme von Lucasfilm durch Disney blieb natürlich die Frage, wie und ob die einzigartige, liebevoll-trashige Atmosphäre der Vorgänger erhalten bleiben würde.
Regisseur J.J. Abrams („Star Trek“, „Mission Impossible III“) stand vor der schwierigen Aufgabe, Liebhaber der alten Filme nicht zu enttäuschen, die Tradition aber für ein neues Publikum so zu modernisieren, dass schließlich alle auf ihre Kosten kommen.

Schrottsammlerin Rey (Daisey Ridley) und Stormtrooper Finn (John Boyega) treffen zufällig aufeinander und geraten in eine Mission, die die Zukunft des Universums entscheiden wird. So beginnt eine Jagd durchs All, in deren Verlauf diverse alte Bekannte zu unseren Helden stoßen.

Rey (Daisey Ridley) und BB-8 (c) Walt Disney Studios
Rey (Daisey Ridley) trifft auf BB-8 (c) Walt Disney Studios

Star Wars – Das Erwachen der Macht“ nimmt sich zunächst seine Zeit, die neuen, unbekannten Charaktere einzuführen. Da ist zum einen der draufgängerische, selbstbewusste Poe Dameron, der eine ähnliche Attitüde wie Han Solo an den Tag legt. Zum anderen gibt es das unfreiwillige Team aus dem verängstigten, unerfahrenen Stormtrooper Finn und der burschikosen, nonchalanten Rey, die als Tagelöhnerlin schon früh auf sich allein gestellt war und in einer Illusion auf ihre verschwundene Familie wartet. Sie bringen frischen Wind in das Franchise und markieren durch ihr unterschiedliches Auftreten und Herkunft eine schöne Abwechslung. Auch die Action-Sequenzen, Raumschlachten und Laserschwertkämpfe sind wunderbar choreografiert und ersteres kommt gerade in 3D sehr gut zur Geltung. In diesen Bereichen hat Regisseur J.J. Abrams den Staub der alten Reihe abgeklopft und auf den Film auf die nötige Weise zum Glänzen gebracht. Gleiches gilt für die teilweise detailverliebte Austattung mancher Szenen. Als die Gefährten eine Bar besuchen, glaubt man sich zurückversetzt in Jabbas Palast aus Episode VI, so viele skurrile und fadenscheinige Aliens bevölkern den dunstigen Raum. Wirklich gelungen sind aber ohne Zweifel die Dialoge, die oft vor ironischem Witz nur so sprühen und deutlich zeigen, dass sich hier niemand allzu ernst nimmt. Gerade die pathetischen Dialoge aus den alten drei Filmen wurden oftmals in ähnlicher Weise umgesetzt, ohne ein Augenzwinkern auszulassen. So verzeiht man Abrams auch den einen oder anderen Flachwitz. Spätestens, als Han Solo (Harrison Ford) auf der Bildfläche erscheint, schafft es Abrams, eine gewisse Abgedrehtheit, die man in „Guardians of the Galaxy“ so zum ersten Mal sehen konnte, in seinen Streifen einfließen zu lassen. So etwas kannten wir von Star Wars so noch nicht.

So weit, so erfreulich. Leider schafft es „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ nicht wirklich, auf eigenen Beinen zu stehen. Denn je länger man sich dem galaktischen Spektakel hingibt, desto mehr starke Parallelen fallen auf zu älteren Epsioden, die aber nicht Hommage sind, sondern schlicht fehlenden innovativen Ideen geschuldet. Denn die despotische „First Order“ als Gegenpart der Helden gleicht fast auf die blinkende Schaltzentrale und den schwarzen Uniformen dem Imperium. Der faschistische, totalitäre Charakter dieser Regierung wird einmal sehr deutlich, aber leider nicht weiter vertieft, was sicher interessant und neu gewesen wäre. Die Rebellen sehen noch genauso aus, wie man sie mit Luke Skywalker an ihrer Spitze gewohnt war. Schade, dass man hier nicht die bekannten Pfade verlassen und etwas neues versucht hat.
Auch ist die Story, die sich zu Beginn die angebrachte Zeit nimmt, um den Zuschauer auf unbekanntem Terrain einzuführen, mit zunehmender Laufzeit immer gehetzter, sodass Charakterinteraktion hinter den Actionsequenzen zurückbleibt.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ als Film ohne Zusammenhang betrachtet atemberaubende Hollywood-Action im All liefert, als Fortsetzung der „Star-Wars-Reihe“ aber leider ein Film einiger verpasster Möglichkeiten ist.

Video und Beitragsbild (c) Walt Disney Studios

Star Wars – Das Erwachen der Macht (2015) Kritik: Möge die Innovation mit Ihnen sein
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