The Walking Dead Staffel 5 – Als Ausblick ein Rückblick

Tommy 3. Februar 2015 2
The Walking Dead Staffel 5 – Als Ausblick ein Rückblick

Ab dem 08.02.2015 haben über zwei Monate Wartezeit ein Ende. Die fünfte Staffel von „The Walking Dead“ wird nach ihrer Winterpause fortgesetzt und das soll Anlass genug sein, den Überlebenskampf von Rick und Kollegen zu begleiten. Deswegen werde ich zu jeder neuen Folge in Zukunft hier bei filmverliebt einen kleinen Beitrag leisten und meine Meinung kundtun. Nun ist es etwas ungünstig, mitten in einer Serie anzufangen; aber die Umstände lassen sich leider nicht mehr ändern. Da es etwas viel verlangt wäre, meine Meinung zu jeder einzelnen Folge niederzuschreiben, folgt als Kompromiss ein Überblick meiner bisherigen Empfindungen.

Der folgende Artikel ist möglichst spoilerfrei gehalten. Weiterlesen dennoch auf eigene Gefahr!

Zerstückelte Körper führen zu Startschwierigkeiten

Erst einmal: Ich bin kein Fan von Splatter. Welchen Genuss man daraus zieht, dass Menschen die Hände abgehakt werden oder man ihnen ins Auge sticht, wird sich mir nie erschließen. So ist es vermutlich kein Wunder, dass mich die Serie trotz der Jubelgesänge nicht gereizt hat. Vor ein paar Jahren habe ich mir die ersten zwei Folgen angesehen und sofort die Lust verloren. Eine der besten Serien aller Zeiten? Mitnichten. Als der Streamingdienst meiner Wahl (legal und kostenpflichtig versteht sich) die ersten drei Staffeln in sein Sortiment aufnahm, habe ich mich letztlich überwunden. Immerhin zahle ich dafür monatlich meinen Beitrag, dann soll auch etwas dabei herumkommen. Diesmal gab ich der Geschichte ihre Zeit, sich zu entwickeln und siehe da: „The Walking Dead“ ist meiner Meinung nach eine der besten Serien.

Es geht nicht um den Splatter oder die Verlockung Menschen ohne Konsequenzen die Hirnmasse rausdreschen zu dürfen. Sicherlich, ist es Bestandteil der Serie, weswegen sie bei mir nicht oben auf dem Treppchen steht, aber interessanten Themen wird ausreichend Raum verschafft. Was passiert mit unserer Gesellschaft, die vollkommen abhängig von Technologie ist, wenn wir in den Stand des Wilden Westen zurückgeworfen werden? Mit denselben Regeln menschlichen Miteinanders wie im Nordamerika des 19. Jahrhunderts; wobei Cowboys sich wenigstens selten mit menschenfressenden Toten abplagen mussten. Wenn die Maske der Zivilisation weg fällt, zeigen viele ihre mitleidlose Fratze und so ist nicht jeder zwangsläufig eine Hilfe, sondern oft genug eine Bedrohung. Moral und Vertrauen werden zu einem Luxus, den man sich nicht immer leisten kann. Die Zombies werden als Gefahr in den späteren Staffeln zu einer Kulisse degradiert, der Mensch wird sein eigener größter Feind.

Nach den Innereien kommt der Tiefgang

Die Gruppe von Überlebenden, die der Zuschauer begleitet, leidet aber nicht nur unter äußeren Einflüssen. Die veranschaulichten Gruppendynamiken könnten als Lehrbeispiel für einige Psychologiesemester dienen. Ständig müssen Entscheidungen getroffen werden, die über Leben oder Tod bestimmen können und dabei prallen verschiedene Ansichten aufeinander. Besonders die Hauptfigur des Rick Grimes macht dabei eine faszinierende Entwicklung durch. Zu Beginn glaubt er an das Gute in vielen Menschen, bis er zunehmend verroht, jeden als Risiko wahrnimmt und beim kleinsten Zucken den Revolver zieht. Aber auch die anderen Mitglieder wurden mit ausreichend Charakter ausgestattet und es ist spannend, ihre Entwicklung mit anzusehen. Rassistische Rednecks verwandeln sich in letzte Instanzen des Anstandes, während schwächliche Hausfrauen zu Ein-Mann-Armeen mutieren.

Die Zombie-Thematik entwickelte ebenfalls eine Tragweite, die ich auf den ersten Blick nicht für möglich gehalten hätte – was mich rückblickend verwundert. Es war reichlich naiv zu denken, dass wenig Potenzial für Drama enthalten ist, wenn sich Schwestern, Ehemänner und Töchter plötzlich in verfallende Untote verwandeln, die dir die Eingeweide rausknabbern wollen. In einer solchen Welt ist es logisch, dass der Suizid verlockend wirkt. Manche sind sogar überzeugt, dass es sich nur um eine Krankheit handelt, die die Menschen aggressiv und stumpf werden lässt. Sie glauben an eine Heilung und sehen in ihren hungrigen Verstorbenen immer noch die Mutter, der man helfen muss. Wieder andere erkennen die Realität, können ihre Geliebten aber dennoch nicht aufgeben und spielen heile Welt. Darüber hinaus werden auch die großen Klassiker an Themen gewürdigt, wie Loyalität, Rache oder Abtreibung.

Was uns in Zukunft erwartet – meiner Meinung nach

Ihr solltet einen Eindruck davon gewonnen haben, was mich an „The Walking Dead“ reizt, deswegen folgen ein paar Zeilen zu meinen Hoffnungen für den weiteren Verlauf – wobei es sich vielmehr um Sorgen handelt. Denn ich befürchte, dass sich die Serie langsam aber sicher in eine Ecke manövriert, aus der sie nicht wieder herauskommt. Man versucht die Zuschauer zu schocken, meist mit dem Tod einer sympathischen Figur. Bislang funktioniert dies, wie das Ableben einer Person in der letzten Folge demonstrierte; sogar eine Petition wurde gestartet, um diesen Charakter zurückzubringen. Auch mich ließ dieser Tod nicht kalt, obwohl ich die Figur nie in mein Herz geschlossen hatte. Es funktioniert also – noch. Denn spätestens seit der dritten Staffel kann man dieses Muster nicht mehr problemlos kopieren, denn hier ereignete sich der vermutlich tragischste Moment. Und ja, wir denken alle gerade an den selben.

Ansonsten wird die Radikalität der Überlebenden, ihre Skrupellosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, zunehmend rabiater. Allerdings droht der Zuschauer dabei abzustumpfen und/oder die Vorgehensweise zu durchschauen. Teilweise ist dies bereits geschehen und die Stimmen mehren sich, dass die Serie abbaut. „The Walking Dead“ steuert auf seinen „jumping the shark“-Moment zu. Dies ist ein Begriff, der beschreibt, dass eine Serie versucht etwas Gewaltigeres als zuvor zu bieten. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird die Grenze überschritten, an der der Zuschauer aussteigt. Ob es ihn langweilt oder er es lächerlich findet, ist dabei unerheblich. Man kann nur hoffen, dass die Macher ausreichend Einfälle haben, um das Ruder herumzureißen und den richtigen Zeitpunkt sehen, das Ganze zu beenden. Ansonsten könnte die Serie zu einer Kuh werden, die ausgequetscht wird; Qualität hin oder her. Aber warten wir den 08.02. ab, bevor wir den Untergang prophezeien.

Der Trailer zu The Walking Dead Staffel 5 – zweite Hälfte:

Beitragsbild: (c) AMC

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  • Martin

    Ich mag Walking Dead eigentlich. Die Serie unterhält und hat viel Potenzial, aber verschenkt doch einiges regelmäßig. Das Ableben besagter Figur in der letzten Folge war unnötig und die Motivation, die dem Handeln, die letztendlich zum Tod geführt hat, völlig unklar und unlogisch. Vielleicht war das schon der jumping-the-shark-Moment für mich? Generell wird am Ende einer Staffel bisher meist versucht, etwas Großes zu machen, wobei Logik dabei meistens flöten geht (siehe Karika- ähh Charakter des Gouvereurs). Wie du sagst, trifft der Tod leider oft sympathische Figuren, während zwei völlig uninteressante Charaktere ohne viel Entwicklung schon seit der ersten/zweiten Staffel mitgezerrt werden. So langsam ermüden auch die regelmäßigen Filler-Folgen, bei denen die Gruppe nach Essbarem sucht und dabei völlig überraschend von Zombies überrascht wird.