Ultimate Avengers – The Movie (2006): Filmkritik

Ralf 25. August 2014 0
Ultimate Avengers – The Movie (2006): Filmkritik

Es ist doch immer das gleiche Spiel. Kaum steht der nächste Blockbuster aus dem Hause Marvel oder DC in den Startlöchern und am liebsten würde ich die Tage davor nur noch Comicverfilmungen ansehen. Auch dieses Mal- kurz vor dem Deutschlandstart von Marvels Guardians of the Galaxy am 28. August- ist es nicht anders. Und so habe ich am Wochenende wieder meine Filmsammlung nach Geschichten von übermenschlichen Helden und fiesen Schurken durchforstet. Hängen geblieben bin ich schlussendlich bei einem Animationsfilm, den ich euch heute genauer vorstellen werde: Ultimate Avengers – The Movie!

Dieser Film aus dem Jahre 2006 ist der erste aus einer Reihe von Marvel Animationsfilmen, von denen es mittlerweile 8 Stück gibt. In Deutschland wurde er  direkt auf DVD veröffentlicht und ist inzwischen in diversen Sammlungen zu finden, wie z.B. der kompletten Sammlung aller 8 Zeichentrickfilme auf Amazon. Die Handlung des Filmes basiert dabei sehr lose auf den Ideen der Comicreihe „The Ultimates“ von Mark Millar und Bryan Hitch. Ähnlich wie sein Blockbuster-Bruder aus dem Jahre 2012 fokussiert er sich hierbei auf die Bildung und Zusammenarbeit des bekannten und titelgebenden Superheldenteams.

Story und Charakterentwicklung light

Inmitten des zweiten Weltkrieges ist Steve Rogers als Captain America zu einer Kriegsikone geworden und steht für seine Kameraden wie kein anderer für den Triumph über die Achsenmächte. Beim Angriff auf eine Festung der Nazis muss Captain America jedoch entdecken, dass eigentlich außerirdische Formwandler alle Fäden in der Hand halten. Im letzten Moment schafft er es zwar, einen Raketenangriff auf die Vereinigten Staaten zu verhindern, in Folge dessen stürzt er jedoch ins Meer und wird für die nächsten 60 Jahre eingefroren.

Doch auch in der Zukunft sind die Außerirdischen – die als Chitauri bezeichnet werden – nach wie vor aktiv und stellen Nick Fury, den Anführer von S.H.I.E.L.D., vor erhebliche Probleme. Also scheut dieser keine Kosten und Mühen um den gefrorenen Captain America zu bergen, um mit seiner Hilfe selbst eine Gruppe von Supersoldaten erzeugen zu können. Gleichzeitig ist er jedoch auch stets bemüht verschiedene außergewöhnliche Helden und Heldinnen für ein besonderes Team zusammen zu führen, damit dieses auf besonders gefährliche Bedrohungen reagieren kann. Und voilà, die Avengers sind geboren.

Die Grundvoraussetzung des Filmes klingt somit erst mal sehr vielversprechend, jedoch kommt es in der Ausführung oftmals zu Schwierigkeiten. Aufgrund der sehr kurzen Laufzeit von 72 Minuten kann der Film seine Charaktere nur sehr kurz und oberflächlich vorstellen, was diesen mit Sicherheit schadet. Man darf nicht vergessen, dass es diesmal nicht für jeden Helden einen oder mehrere vorhergehende Filme gab, in denen diese etabliert und dargestellt werden konnten. Somit dürfte besonders Zuschauern ohne Comickenntnisse das Verständnis zu den Hintergründen und Zusammenhängen fehlen.

Problematisch hierbei ist auch der unterschiedliche Fokus, der auf die Charaktere gelegt wird. Die Hauptpersonen sind eindeutig Captain America als Anführer des Teams, sowie Bruce Banner/ Hulk, der noch die größte Charaktertiefe ausweisen kann. Im Laufe des Filmes wird man öfters mit den negativen Auswirkungen des Hulks auf das Leben von Banner und seiner Mitmenschen konfrontiert und sieht die deutlichen Nachteile eines solchen Wutmonsters. Im absoluten Gegensatz dazu steht beispielsweise Thor, der in diesem Film sträflich vernachlässigt wird und eher wie ein Umweltschützer mit seltsamer Sprache als wie ein nordischer Gott erscheint. Auch die Charaktere Giant-Man (dessen Marvel-Verfilmung voraussichtlich 2015 unter dem Titel Ant-Man erscheint), seine Ehefrau Wasp und sogar Iron Man wirken eher wie Statisten. Das ist sehr schade, da jeder dieser Charaktere mit seinen Eigenarten und Charakterzügen den Film hätte interessanter gestalten können.

Ein ähnliches Problem findet sich auch in der Story wieder. Durch den Fokus auf die Chitauri als Gegenspieler fehlt dem Film ein Oberschurke, der den Gegensatz zu den Helden vermittelt und eine glaubhafte und interessante Bedrohung darstellt. Auch wenn sich der Film sehr viel Mühe gibt, die Außerirdischen als bedrohliche Gegenspieler zu etablieren, wirken diese gesichts- und charakterlos und kommen nicht annähernd an einen Loki aus der Realverfilmung heran.

Gute Animationen mit kleinen Schönheitsfehlern

Zum Großteil gut gelungen sind hingegen die Animationen in dem Film, besonders die Szenerien und Hintergründe. Die Städte der Moderne wirken groß und geschäftig, die Einrichtungen von S.H.I.E.L.D. kampfbereit und funktionell und die Burg der Nazis wie aus einem stimmigen Gruselfilm. Auch die Charaktere selbst sind ansprechend gezeichnet, wobei auch hier Bruce Banner und Hulk am besten getroffen wurden. Besonders positiv fällt auf, dass auf eine zu starke Überzeichnung verzichtet wurde. Natürlich sehen die Charaktere nach wie vor aus wie professionelle Topmodels oder Bodybuilder, doch noch in einem glaubwürdigen Rahmen (vom Hulk selbstverständlich abgesehen). Hierbei gibt es  deutlich extremere Beispiele,  jedoch finde ich den realistischeren Look persönlich besser.

Kleinere Schwächen in den Animationen finden sich jedoch dennoch. Besonders bei schnellen Bewegungen (z.B. den Propellern eines Flugzeuges) wirkt das Bild seltsam verwackelt und unscharf. Außerdem sind die Bewegungen der Charaktere speziell in ruhigen Szenen etwas steif und ungelenk- und damit unnatürlich. Dies hat mich persönlich verwundert, da ich die Animation der Kampfszenen durchgehend passend und stimmig fand. Vielleicht ist mir das Problem in diesen aber auch nicht so stark aufgefallen, da auf dem Bildschirm zu viel passiert ist.

Die deutsche Synchronisation des Filmes ist ebenfalls anständig durchgeführt. Zwar gibt es an einigen wenigen Stellen ein paar kleinere Synchronisationsprobleme mit den Lippenbewegungen, diese fallen aber bei einem Zeichentrickfilm nicht stark ins Gewicht. Was die Dialoge angeht, so wird der Film mit Sicherheit keinen Literaturpreis erhalten. Der Hulk brüllt, Nick Fury bellt Befehle und Iron Man hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Somit ist das alles nichts besonderes, passt aber zu den Charakteren und in das Gesamtkonzept des Films.

Fazit zu Ultimate Avengers- The Movie

Für eine kurzweilige Unterhaltung mit den liebsten Superhelden ist dieser Film auf alle Fälle gut. Aufgrund seines fehlenden Storytiefgangs und der kaum verhandenen Charakterzeichnung schafft es Ultimate Avengers- The Movie jedoch nicht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und wird seinen Zuschauern somit wahrscheinlich nicht lange im Gedächtnis bleiben.  Auch die handwerklich guten Animationen können das Ruder hierbei nicht mehr umreißen. Im Gegensatz zu den Real-Verfilmungen würde ich diesen Film außerdem nicht an Leute empfehlen, die mit den Charakteren oder den Hintergründen nicht vertraut sind, da ansonsten zu viele Fragen und Unklarheiten auftauchen werden.

(c) Lionsgate

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