Interstellar (2014): Kritik zum neuen Film von Christopher Nolan

Ralf 14. November 2014 12
Interstellar (2014): Kritik zum neuen Film von Christopher Nolan

Schau dir diesen Film an, das ist einer der besten diesen Jahres!“, wurde mir von der einen Seite erzählt. „Oh Gott, so etwas schlechtes habe ich schon lange nicht mehr gesehen.“, kam dagegen als Kommentar von einer anderen Person. In meinem persönlichen Umfeld habe ich schon lange nicht mehr so gegensätzliche Meinungen gehört wie zu Interstellar. Das hat mich dann doch persönlich sehr überrascht. Immerhin reden wir von Christopher Nolan, einem Regisseur, dessen letzte Filme (z.B. Dark Knight Trilogie, Inception) von Kritikern und Publikum zum Großteil positiv angenommen wurden. Was steckt also hinter seinem neuen Sci-Fi-Film und als was wird er sich am Ende entpuppen – als ein neues Meisterwerk oder eine Enttäuschung?

Der Menschheit läuft die Zeit davon

Eines vorweg: Da ein Großteil des Reizes des Filmes von seiner Story und den darin enthaltenen Entwicklungen eingeht, möchte ich in der folgenden Kritik nicht zu viel verraten. Die Neugier des Zuschauers auf die nächsten Schritte und Stationen auf der Reise der Charaktere erzeugt den Hauptanteil an Spannung und Interesse an dem Fortschritt der Geschichte.

In einer nicht weit entfernten Zukunft leidet die Erde zunehmend unter schweren Problemen. Durch Naturschäden wird die Versorgung mit Lebensmitteln immer knapper, da nur noch Maispflanzen großflächig angebaut werden können um eine schon geschwundene Erdbevölkerung zu ernähren. Der Großteil der Bevölkerung ist deswegen auch in der Landwirtschaft tätig, um den ausreichenden Anbau von Nahrung zu gewährleisten. Gleichzeitig machen schwere Sandstürme das Leben für alle noch deutlich unangenehmer und behindern den normalen Ablauf des Alltags. Es herrscht allgemein die Übereinstimmung, dass die Menschheit ihre Zeit auf der Erde bald überschritten haben wird. Mit dieser Situation sieht sich auch der ehemalige NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) konfrontiert, der mit seinen beiden Kindern und dem Schwiegervater auf seiner Farm ebenfalls Weizen anbaut, obwohl ihn dieses Leben so gar nicht erfüllen kann. Er vermisst die Tage, an denen „die Menschen zu den Sternen schauten und nicht in den Dreck zu ihren Füßen“. Doch bald sollte sich sein Leben ändern, als einige merkwürdige Ereignisse und Nachrichten ihn zu einer Mission führen, die alleine für das Überleben der Menschheit sorgen könnte….

Gerade zu Beginn nimmt sich der Film viel Zeit zur Darstellung der ungünstigen Ausgangslage und der Vorstellung seiner Hauptpersonen. Teilweise war mir diese Einführung sogar zu lange und es fühlte sich so an, dass die Handlung nicht so wirklich in Fahrt kommt. Am Ende des Filmes erkannte ich jedoch die Bedeutung des Gezeigten, da die erste Stunde essentiell für das Verständnis der verzweifelten Lage und der emotionalen Bindungen zwischen den Charakteren ist. Nach diesem etwas zähen Beginn nimmt Interstellar den Zuschauer aber mit auf eine faszinierende Reise, auf die ich wie bereits gesagt nicht zu sehr eingehen möchte – das Erleben und Entdecken dieser Ereignisse und die damit verbundenen Emotionen machen einen Großteil der Stärke dieses Filmes aus.

Doch dann kam sie…..die letzte halbe Stunde des Filmes. Bis zu diesem Zeitpunkt hat mich Christopher Nolan auf eine tolle Reise geführt, die teilweise gerade wegen ihrer Gemächlichkeit und der Detailtiefe fesseln konnte. Bitte nicht falsch verstehen- der Film ist keineswegs langweilig, er nahm sich bis zu diesem Zeitpunkt nur sehr viel Zeit für die Vorstellung seiner Konzepte und Figuren. Doch gerade deswegen wirkt der Endspurt so sehr wie ein Bruch. Auf einmal wird auf das Gaspedal getreten und innerhalb kürzester Zeit neue Konzepte, Ideen und auch Erklärungen vorgestellt. Das führt jedoch auf der einen Seite zu einer immensen Häufung von Logikfehlern innerhalb der Handlung und auf der anderen Seite zu einigen unbefriedigenden Szenen, wo Charaktere aus unerfindlichem Grund entgegen ihrer bisherigen Überzeugungen handeln. Somit ergibt sich ein unstimmiger Eindruck in Hinsicht auf das Gesamtbild des Filmes. Es wirkt so, als hätte Christopher Nolan zwanghaft versucht am Ende all die im Film sorgfältig verteilten Anspielungen zu einem besonders spektakulären Puzzle zusammenzufügen. Und das gelingt leider nicht wirklich zufriedenstellend.

Fliegt ein Oscarträger im Weltraum….

Großen Anteil an den emotionalen Stärken des Filmes tragen die Schauspieler. Besonders hervorzuheben ist die Leistung von Matthew McConaughey als Hauptfigur Cooper. Seine Gefühle und Empfindungen tragen einen Großteil zur Entwicklung und dem Fortschritt der Handlung bei. Doch auch die unterstützenden Charaktere werden insgesamt sehr authentisch und überzeugend dargestellt und wirken vielschichtig und interessant. Natürlich fallen auch ein paar Figuren etwas schwächer und eindimensionaler aus, wie z.B. Casey Affleck als Coopers Sohn. Mein größtes Problem hatte ich bei diesem Film aber tatsächlich mit dem Charakter von Anne Hathaway, da mir dieser insgesamt am unkonsequentesten erscheint. Besonders gegen Ende des Filmes triftt sie Entscheidungen die mit den zu Beginn dargestellten Überzeugungen nicht wirklich übereinstimmen. Anne Hathaway liefert schauspielerisch eine einwandfreie Leistung ab, ihr Charakter wirkt dadurch im Laufe der Story jedoch inkonsequent- schade!

Was jedoch über den gesamten Film hinweg unglaublich faszinieren kann ist die Präsentation. Christopher Nolan versteht es wieder einmal den Zuschauern wunderschöne und beeindruckende Bilder zu liefern. Diese müssen teilweise nicht mal besonders bombastisch sein, sondern wissen auch durch Einfachheit zu überzeugen und zu verzaubern. Dadurch wird die Faszination des Weltraums und die Neugier zur Erkundung noch weiter verstärkt. Unterstützt werden diese Bilder durch einen hervorragenden Soundtrack von Hans Zimmer, der die Stimmung immer einzufangen versteht- sei es nun in turbulenten Szenen oder innerhalb eines emotionalen Momentes. Gegen Ende wurde mir die Musik zwar an einigen Stellen etwas zu episch, das sehe ich jedoch als persönlichen Geschmack an. Im Gesamteindruck haben sich Bild und Soundtrack immer hervorragend ergänzt, was immerhin die Hauptsache ist.

Apropos Soundtrack: Auch die Soundeffekte und Dialoge des Filmes sind auf einem hohen Niveau anzusetzen. Selten hat mich Stille in einem Film so fesseln können wie in diesem Film, wenn der Blick wieder durch die Weiten des Weltalls schweift. Die deutsche Synchronisation ist einwandfrei und auch bei den Dialogen waren keine qualitativen Ausrutscher zu erkennen.

Fazit zu Interstellar

Eigentlich habe ich fast nur positives zu diesem Film berichten können. Warum ringe ich mir dann nun die Wertung ab, die ich nun tatsächlich vergeben habe? Der Film hat mich mit seiner emotionalen und interessanten Geschichte überzeugen können und liefert eine hervorragende Präsentation ab. Doch gerade wegen dieser Punkte hat mich persönlich der Endspurt des Filmes so sehr enttäuscht. Als Zuschauer wurde ich komplett aus dem bisherigen Erzählfluss gerissen und nach dem Abspann sind für mich so viele Fragen aufgekommen, dass ich das Kino wirklich unbefriedigt verlassen habe. Ich hatte mir einen zufriedenstellenden und erklärenden Abschluss erhofft- stattdessen beschäftigte ich mich dann aber hauptsächlich mit Logikfehlern innerhalb der Handlung.

Interstellar ist somit für mich ein Erlebnis, bei dem ich gleichzeitig eine Empfehlung und eine Warnung ausprechen möchte. Ihr könnt einen sehr emotionalen und mitreißenden Film erwarten, dessen Ende aber nicht jedermanns Geschmack treffen wird und teilweise sogar für Verwirrung sorgen könnte.

(c) Warner Bros. Entertainment GmbH

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