Filmkritik: Ender’s Game – Das große Spiel (2013)

Florian Erbach 25. November 2013 1
Filmkritik: Ender’s Game – Das große Spiel (2013)

Kinder an die Macht? Zumindest Kinder in das Militär lautet die Devise bei „Ender’s Game„. Was sich zunächst perfide und absurd anhört, hat einen scheinbar logischen Hintergrund: Kinder haben eine schnellere, intuitive Auffassungsgabe und handeln dementsprechend auch. In Ender’s Game gilt es diese Gabe zu nutzen und damit eine Alien-Invasion zu verhindern. Kann Gavin Hoods (X-Men Origins: Wolverine) Regiearbeit überzeugen?

Geboren um zu kämpfen

Nur knapp ist die Erde der Vernichtung entgangen. Viele Jahre später ist die Erde aber immer noch der Gefahr der früheren Invasoren ausgesetzt und so sieht das Militär nur eine Chance den Krieg zu gewinnen, indem es Kinder als Führungselite und Kommandanten einsetzt. Ender (Asa Butterfield) ist einer dieser potentiellen Befehlsgeber und muss sich als Drittgeborener – genetisch gezüchteter Mensch – erst in der Militärakademie durchsetzen. Dass das nicht ohne Probleme und Konflikte vonstattengeht, scheint logisch. Nur die Allerbesten haben überhaupt die Chance, in die Akademie aufgenommen zu werden und sich wiederum dort zu beweisen. Die Verteidigung der Erde wird nur den Besten der Besten überlassen. Kann Ender sich, wie es seine Ausbilder erhoffen, durchsetzen und die Erde retten?

Was sich wie die Geschichte eines typischen Drill- und Bootcamp-Filmes anhört, fühlt sich stellenweise auch so an. Es gibt die typischen Charaktere, die man eben in solch einem Militärcamp erwartet. Ender’s Game ist hier jedoch auch etwas anders. Immerhin haben wir hier Kinder und die potentielle bedrohliche Alien-Invasion als Legitimation. Der totale militärische Drill und die Opferung der Kindheit scheinen damit legitimisiert. Und hier liegt meiner Meinung nach auch die Gefahr. Es erscheint irgendwie plausibel. Moralische Probleme werden zwar angesprochen, doch irgendwie verstummt die Kritik.

Alles nur ein Spiel?

Dass Ender als „Züchtung“ zu Höherem berufen ist, spürt er die ganze Zeit. Seine Schwester und auch sein Bruder sind gescheitert. Der enorme Druck lastet schwer auf ihm und doch will er sich der harten Ausbildung stellen. Harrison Ford als Colonel Graff sieht in Ender eben jenen großen Anführer, der für die finale Rettung der Menschheit gebraucht wird. Graff fordert und fördert Ender gleichermaßen.

Während der Anfang noch sehr interessant scheint und in die Geschichte einführt, verflacht der Film im mittleren Teil eher zu einer Mischung aus Full Metal Jacket und 2001 Odyssee im Weltraum. Eigentlich eine sehr interessante Kombination und doch hat mich der obligatorische „Ausbildungsteil“ eher gelangweilt, als richtig unterhalten. Sicherlich sind die Kinderdarsteller interessant (gerade Asa Butterfield spielt wirklich gut) und die Kulisse sehr glaubhaft, aber irgendwann wurden dann auch alle gängigen Klischees abgearbeitet, ohne wirkliche Überraschungen zu liefern. Kern der Ausbildung ist ein Spiel, was an eine Mischung aus Lasertag (Paintball), Fußball und Rugby erinnert. Ziel ist es, ein Teammitglied unversehrt durch das gegnerische Tor zu bringen. Dabei verfügt jeder Mitspieler über eine Waffe und kann so gegnerische Spieler ausschalten. Hohes taktisches Verständnis und Cleverness sind erforderlich, um das Spiel zu gewinnen. Das Ender hier als Neuling schnell punkten kann, ist bei dem Aufbau des Films gewiss keine große Wendung.

Das Spiel soll die Kinder an den echten Krieg heranführen. Spiel und Krieg sind Begriffe, die immer wieder Metapher gebend sind und obwohl sie im Grunde keine Gemeinsamkeit haben (oder haben dürften), sind sie eigentlich untrennbar. Wenn man Ender’s Game als eine Art Anti-Kriegsfilm verstehen möchte, ist das wohl einer der Zugangsmöglichkeiten. Aber will Ender’s Game das überhaupt sein?

Krieg und Moral

Während der Schlussteil wieder ordentlich an Fahrt aufnimmt und mit dem Ende durchaus versöhnlich stimmt, stellte sich mir nach Ende des Films jedoch die Frage, ob das alles gewesen ist? Sicherlich ist die gesamte Aufmachung sehr schön anzusehen und mit Ben Kingsley und Harrison Ford sind auch zwei echte Größen aus Hollywood mit an Bord, jedoch fehlt dem Film – trotz seines philosophischen Anspruchs – der Tiefgang. Am Ende wird der Blick auf Ender zentriert, der sich mit seinen eigenen Moralvorstellungen auseinandersetzt und gleichzeitig erkennen muss, dass Täuschung und Hinterlist ebenso zum Krieg dazugehören, wie Mord und Massenmord. Eine Erkenntnis, die ihn an seiner Berufung, seinem heraufbeschworenen Schicksal, zweifeln lässt. So ist das Ende alles in allem ein Lichtblick.

Fazit:

Ender’s Game handelt von dem jungen Ender, der sein Schicksal erfüllen muss, um die Erde zu retten. Dafür muss er eine harte Ausbildung durchlaufen, um schließlich am Ende als Befehlsgeber die Streitkräfte der Erde zu führen. Leider ist der Film trotz seiner interessanten Geschichte stellenweise nicht wirklich unterhaltend. Gerade der Mittelteil plätschert vor sich hin und kann mit dem x-ten vorhersehbaren Konflikt eher weniger punkten. Das Ende hingegen nimmt ordentlich Fahrt auf und weiß zu gefallen. Ender’s Game ist so ein Film, bei dem man sich schwertut, ihn richtig zu bewerten. Vielleicht bringt eine zweite Sichtung mehr Klarheit? Da ich die Romanvorlage nicht kenne, erübrigt sich ebenso der Vergleich mit dem Buch. Science-Fiction-Fans können aber sicherlich nichts falsch machen! Sie sollten sich aber auf eine Mischung aus Full Metal Jacket und Odyssee im Weltraum einstellen. 3/5

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