Logan Lucky: Kritik zu Steven Soderberghs Gaunerkomödie

Lida Bach 12. August 2017 0
Logan Lucky: Kritik zu Steven Soderberghs Gaunerkomödie

Hat Steven Soderbergh eine multiple Persönlichkeit? Es ist ihm nur zu wünschen. So eine multiple Persönlichkeit würde eine ganze Menge entschuldigen, etwa, dass der Regisseur trotz seiner Ruhestandsankündigung 2013 mit Logan Lucky wieder einen Kinofilm vorlegt. Das Versprechen kam damals einfach von einem abgespaltenen Soderbergh-Teil. Weitere Splitterpersönlichkeiten wären der Kameramann-Soderbergh namens Peter Andrews oder der Cutter-Soderbergh, der sich Mary Ann Bernard nennt. Oder die jüngste Kreation: der Drehbuchautor-Soderbergh Rebecca Blunt. Soweit bekannt ist hat der Filmemacher aber nur eine Persönlichkeit und die verarscht das Publikum eben gerne. Ein Musterbeispiel dafür ist die Gaunerkomödie, die den Zuschauern nicht nur auf produktionstechnischer Ebene etwas vorheuchelt.

Die größte Lüge des Heist-Movies, das der Ocean’s-Regisseur unvermeidlich mit einer Reihe Selbstreferenzen spickt, ist die vermeintliche Empathie mit den einfachen Leuten. Mit Ausnahme von Hilary Swanks FBI-Agentin stammen alle Protagonisten aus dem gleichen Unterschichtmilieu, das selbst den neureichen Aufsteigern unter ihnen auf den ersten Blick anzusehen ist. Der glücklose Jimmy Logan (Channing Tatum), sein kriegsversehrter Bruder Clyde (Adam Driver), Schwester Mellie (Riley Keough), der blondierte Safeknacker Joe Bang (Daniel Craig) und dessen Brüder Sam (Brian Gleeson) und Fish (Jack Quaid) sind Auffangbecken abfälliger Klischees über Amerikas heruntergekommene Landbevölkerung. Der gesamte Plot ist ein ausgedehnter White-Trash-Witz, der Armut als Lachnummer hinstellt.

Frauen tragen in dieser Elitekarikatur des Prekariats zentimeterdickes Make-up, zentimeterlange Kunstnägel und ansonsten wenig. Männer sind Grenzdebile mit Freizeitbeschäftigungen wie Toilettensitz-Zielwerfen. Alle können „Take me Home, Country Roads“ auswendig. Jede kritische Brechung der propagierten Stereotypen fehlt. Dafür gibt es im Minutentakt Schenkelklopfer unterster Güte, immer schön mit anschließender Lachpause. Menschen mit Handicap (Haha, Armprothese!), Mangel an medizinischer Grundversorgung (Haha, keine Tetanusimpfung!) und die Missstände in Gefängnissen (Haha, die kennen nicht die neusten Folgen Game of Thrones!) sind bloß ein Jux und die daraus resultierende Kriminalität die Pointe. Nur eines ist Soderbergh und selbst dem dümmsten seiner Hillbillies heilig: die wehende US-Flagge. Willkommen in Trumpland.

OT: Logan Lucky

Regie: Steven Soderbergh

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2017

Verleih: StudioCanal

Länge: 119 min.

Kinostart: 14. September 2017

Beitragsbild (c) StudioCanal

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