„Maria Magdalena“: Kritik zum Bibelepos mit Rooney Mara

Lida Bach 1. März 2018 0
„Maria Magdalena“: Kritik zum Bibelepos mit Rooney Mara

Garth Davis‘ Stilübung in epischer Langweile ist phrasenhaft, geistlos, nebulös, verstaubt und psychologisch und emotional lachhaft realitätsfern. Also nicht wesentlich besser als die Vorlage. Um aus dem erfolgreichsten Fortsetzungsroman aller Zeiten etwas Zeitgemäßes herauszuholen, bräuchte es das Genie Monty Pythons. Davon ist der Lion-Regisseur weit entfernt. Während die Inszenierung sich in hohlem Ästhetisieren verliert, plätschert das spärliche Rinnsal an Handlung dröge dahin. Die Drehbuchautorinnen Helen Edmundson und Philippa Goslett vermeiden ängstlich nicht nur jede Provokation, sondern Aktion. Die Dramaturgie ist derart vergeistigt, dass der Plot in Stagnation versandet. In der Bibel wie im Film fungiert Maria Magdalena (Rooney Mara) vorrangig als Zeugin der Geschichte des eigentlichen Helden.

Das ist Jesus, grotesk fehlbesetzt mit einem deutlich zu feisten und zu alten Joaquin Phoenix. Er spielt den Heiland als gedankenverlorenen New-Age-Jünger, der von Wundertaten high wird. Der sich in einem prätentiösen Kunst-Air aalende Bibelstreifen weißt der Titelfigur unterdessen die gleiche Aufgabe zu wie dem Publikum im Saal. Gucken und glauben. Nicht hinterfragen, nicht nachdenken und am allerwenigsten zweifeln. “Wenn wir es nicht verstehen, dann, weil es unser Verständnis übersteigt“, predigt Maria Magdalena, was eine verkappte Botschaft an die Kritiker scheint: Wer das Heiligentheater blödsinnig findet, hat es eben nicht kapiert! Maria Magdalena glaubt brav und guckt, mal unsicher, mal besorgt, mal verklärt und immer großäugig.

Schauen ist auch Hauptbeschäftigung der übrigen Figuren. Oft verharrt das Geschehen in einem ermüdenden Starrwettbewerb. Wenn nicht einander, betrachten die Figuren die Landschaft. Die zumindest ist malerisch, wie alles im Heiligen Land. Selbst Tote sind vorsorglich gestylt für die Auferstehung. Richtig hässlich ist dafür die heuchlerische Bigotterie des faden Bibelunterrichts. Eine misogyne, obskurantistische, absurde Litanei wird als feministisches, aufgeklärtes, tolerantes Drama vermarktet. Freiheit oder Eigenständigkeit wird als Ideal negiert. Maria Magdalena verlässt eine patriarchalische Gemeinschaft, um sich einer anderen zu fügen. Jesus verkündet, die Frauen sollten Gott gehorchen, Gewalt, insbesondere sexuelle, erdulden und vergeben. Die idyllischsten Berghaine können über die atavistische Brutalität der Paradigmata nicht hinwegtäuschen.

Beitragsbild © Universal

Kinostart: 15. März 2018

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