The Ghostwriter: Kritik zum Thriller von Roman Polanski

Lida Bach 29. April 2016 1
The Ghostwriter: Kritik zum Thriller von Roman Polanski

Vom hitchcockschen Verschwörungsplot bis zum tschechowschen Off-Stage-Tod provoziert Polanskis Thriller mit seinen Zitaten einen Vergleich, den er verliert. Das Interessanteste an dem Resultat, das nicht halb so spannend ist, wie es angesichts der Crew sein könnte, und nicht annähernd so intelligent, wie es zu sein vorgibt, sind die skurrilen Parallelen zwischen Plot und Produktion. Zu Beginn der Handlung wird an der Ostküste der USA die Leiche des Ghostwriters des britischen Premierministers Adam Lang (Pierce Brosnan) angespült. Die Szene wirkt wie eine krude Metapher für die gleichnamige filmische Kopfgeburt, die von der ersten Minute an tot ist. Der namenlose Hauptcharakter (Ewan McGregor) ist der opportunistische Autor, dem nun das Verfassen von Langs Memoiren zufällt. Genauso wie McGregors Ghostwriter bloß ein Ersatz für jemanden ist, der durch unverkennbar schmutzige Machenschaften ausgefallen ist, ist Roman Polanskis The Ghostwriter ein Ersatzprojekt für seine gecancelte Verfilmung von Robert Harris „Pompeii“.

Für den Historienroman zog Harris seinerseits Inspiration aus Polanski Chinatown, was nach Polanskis Aussage eine Filmadaption so reizvoll mache. Womöglich liegt es an der Enttäuschung über das gescheiterte Projekt, dass sich das kollektiv verfasste Skript der beiden lustlos dahinschleppt. Die Story ist hinter all den ominösen Kameraeinstellungen auf die stürmische See (ein Skandal um Langs Kriegsverwicklungen schlägt Wellen), den düsteren Himmel (Unheil zieht über den Autoren herauf) und gähnende Freiräume hinter dem Hauptcharakter (schutzlos ausgeliefert) ist dünn. Lang hat sich die Hände schmutzig gemacht, der Vorgänger des Protagonisten kam der Wahrheit zu nah und wurde beseitigt. McGregors Charakter muss entscheiden, auf wessen Seite er steht und wem er trauen kann. Er verstehe nichts von Politik, sagt er in einer der vordergründigen realpolitischen Anspielungen auf Tony Blair hinweisen. Die Inszenierung bauscht die Querverweise auf, als würde dadurch der gesamte Film zu einem Wagnis ähnlich lebensgefährlich wie der Job von McGregors Figur. Tatsächlich sind die vorwitzigen Fingerzeige harmlos gegenüber Taxi to the Dark Side oder No End in Sight.

Hätten sie einen Bruchteil der Aufmerksamkeit von Polanskis Routinearbeit bekommen, hätte dies die öffentliche Wahrnehmung der realen Vorbilder effektiver beeinflusst als deren Stilisierung zu weltmännischen Konspiranten. Besonders genau nimmt es der Plot mit seiner aufklärerischen Intention allerdings nicht. Die Hauptverantwortung für die dreckigen Geschäfte trägt Langs Ehefrau Ruth (Olivia Williams). Der größte Fehler eines Politikers ist demnach, zu sehr der Frau Gattin zu folgen. Eine weitere fiese Funktion hat Langs Sekretärin Amelia Bly (Kim Catrell), die den Autor auf Langs Anwesen überwacht. Dann wäre da noch die zwielichtige US-Außenministerin (Mo Asumang), offenbar nach Condoleezza Rice gemodelt. Ein fast ausschließlich auf männliche Charaktere beschränkter Film sieht ausgerechnet da Platz für eine Frauenrolle, wo intrigante Amoralität gefragt ist – obwohl die wahren Urheber eine Männerrunde waren. Eine solche eklatante Verdrehung der Fakten postulierte zuletzt eta Trumbo, der die einzig autarke Frau der Handlung zur Urheberin aller Übel verzerrt. Blickt zuletzt Langs Konterfei siegessicher von den Einbänden der Erstauflage seiner Memoiren, wirkt dieser Triumph ungefähr so verdient wie der des prätentiösen Standardkrimis bei seiner Premiere.

OT: The Ghost Writer

Regie: Roman Polanski

Produktionsland: Frankreich, Uk, Deutschland

Produktionsjahr: 2010

Verleih: StudioCanal Deutschland

Länge: 128 min.

Kinostart: 18. Februar 2010

Beitragsbild (c) StudioCanal Deutschland

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