Filmkritik: The Signal (2014) – Mindfuck für Sci-Fi-Fans!

Florian Erbach 12. Juli 2014 5
Filmkritik: The Signal (2014) – Mindfuck für Sci-Fi-Fans!

Wann hast du es zum ersten Mal wahrgenommen, das Signal? Angestrengt und unwirklich blickt Nic (Brenton Thwaites) in Richtung des Unbekannten (Laurence Fishburne) mit dem Schutzanzug und fragt sich vermutlich: Was zur Hölle geht hier vor? Ein ähnliches Gefühl von Verwirrung, wie die Hauptfigur sie teilweise erfahren muss, muss auch der Zuschauer bei The Signal (2014) aushalten – doch das ist keineswegs negativ gemeint. Nach seinem viel beachteten ersten Scifi-Low-Budget Film „Love“ hat William Eubank nun einen weiteren Science-Fiction-Film produziert. Dieses Mal lag das Budget mit ungefähr 2 Millionen US-Dollar weit über dem von Love, ist im Vergleich zu Sci-Fi-Blockbustern wie Edge of Tomorrow ($ 178 Mio.) oder Enders Game ($ 110 Mio.) aber immer noch sehr gering.

Dass Low-Budget und Science-Fiction sich nicht ausschließen und durchaus stimmige Filme bei dieser Konstellation herauskommen können, wurde schon mehrfach bewiesen. Beispiele dafür wären Terminator (1984), Moon (2009) oder Phase IV (1974). Auch The Signal sieht man das geringe Budget nicht unbedingt an und William Eubank hat – so viel kann vorweggenommen werden – einen optisch und atmosphärisch mehr als gelungenen Film produziert.

Eine ungewisse Reise

Nic (Brenton Thwaites) und Jonah (Beau Knapp) sind Studenten am weltbekannten MIT (Massachusetts Institute of Technology). Zusammen mit ihrer Freundin Haley (Olivia Cooke) sind sie durch den Südwesten der USA unterwegs. Hauptziel ist eigentlich Haley auf den Weg nach Kalifornien zu begleiten, doch packen die zwei Studenten die Gelegenheit, um einen unbekannten „Hacker-Rivalen“ aufzuspüren. Als die Drei sich dem Ziel sehr nahe wähnen, passiert Unglaubliches und Nic findet sich plötzlich in einer Forschungs- und Quarantäne-Station wieder.

Was war passiert? Was macht er hier? Und vor allem: Wo sind seine Freunde? Ein höllischer Trip zwischen Unwirklichkeit, Angst und dem Willen zu Leben beginnt.

Independent Science-Fiction

Gleich zu Beginn fällt das absolute Auge von Regisseur Wiliam Eubank für das Setting und die Optik auf. Mit Gewissenhaftigkeit scheinen die Kulissen gewählt worden sein. Zunächst verwundert es dabei vielleicht, dass die Technik die wir zu sehen bekommen, teilweise aus den 90ern zu stammen scheint. Röhrenmonitor, TV-Geräte und das Interior wirken alt und fast schon deplatziert. Was ist das für eine merkwürdige Forschungsstation? Doch lässt man die Farben, Bilder und die ganze Kulisse, zu denen auch die Personen mit den Schutzanzügen gehören, auf sich wirken, wird schnell klar, dass das nicht unbedingt etwas mit wenig Geld zu tun hat, sondern mit Absicht so gewählt worden ist. Eine ganze eigene, unheimliche und auch unwirkliche Atmosphäre kann sich so aufbauen und schnell hat einen The Signal (2014) gepackt.

laurence fishburne the signal 2014

Laurence Fishburne in The Signal 2014 – (c) capelight pictures

Die Spannung erzeugt sich aus der Ungewissheit und den teilweise mehr als merkwürdigen Geschehnissen. Dabei muss man es verkraften können, dass die Geschichte mit zunehmenden Verlauf immer abgedrehter wird. The Signal vereint viel Symbolik und verlässt man die Ebene der mehr als gelungenen Optik und Atmosphäre, muss man der Geschichte betreffend doch ein paar Abstriche machen. Denn die Art und Weise des Erzählens kann für den ein oder anderen – eher konventionellen Filmlieberhaber – sehr ermüdend sein. Gerade wenn man kein Gefallen an der Ungewissheit findet oder generell Filme nicht zu seinen Favoriten zählt, die eine unkonventionelle Erzählweise (wie z.B. Donnie Darko) haben.

Doch ist The Signal trotz eventueller Schwächen in der Erzählweise und im Drehbuch, die je nach Filmgeschmack natürlich unterschiedlich ins Gewicht fallen, ein mehr als sehenswerter Independent Science-Fiction-Film. Großen Anteil daran hat auch Laurence Fishburne als unbekannter „Schutzanzugträger“, der mit seiner ruhigen, abgeklärten und fast schon beängstigend Respekt einflössenden Art, den Film sehr stark ausfüllt. Gerade die Verhörszenen sind eine große Stärke von The Signal. Aber auch die Action-Szenen, die beim Weg zum – für mich unbefriedigenden Finale – zunehmen, sind hervorragend inszeniert (Stichwort: Slow-Motion!) und choreografiert.

The Signal (2014) Trailer

Fazit zu The Signal (2014): Erstklassiger Low-Budget Science-Fiction-Film

William Eubank hat sich mit The Signal eindeutig für größere Aufgaben empfohlen! Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass, wenn Eubank ein großes Budget bekommt und ein paar talentierte Autoren an seiner Seite sind, er richtig „große“ Filme schaffen könnte. Optisch und von der Atmosphäre her ist The Signal definitiv ein Sommer Science-Fiction-Highlight. Die Schwächen und Unfokussiertheit in der Geschichte sind zwar nicht zu verleugnen, fallen meines Erachtens aber nicht so stark ins Gewicht.

Wer einen Science-Fiction-Film mit richtig guter Atmosphäre und einer mysteriösen Geschichte sehen möchte, kann bedenkenlos zu The Signal (2014) ins Kino gehen. Man muss aber verkraften können, dass die Geschichte nicht immer konsistent ist und man muss eine ordentliche Portion „Mindfuck“ abkönnen. The Signal (2014) läuft seit dem 10. Juli 2014 in den deutschen Kinos und ist sehenswert!


Filmkritik: The Signal (2014) – Mindfuck für Sci-Fi-Fans!
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  • Hatte ich noch gar nichts von mitbekommen, hoert sich aber interessant an. Wird vorgemerkt!

  • Oliver

    Ich hab ihn mir gestern angesehen und muss sagen:
    Wenn die ganzen Inkonsistenzen und das – für mich ebenfalls – unbefriedigende Ende nicht wären, fände ich ihn durchaus sehenswert. So allerdings ist der Film m.M.n. kein „must see“.

    P.S. Ich hab das Gefühl, dass einige (interessante) Szenen aus dem Trailer im eigentlichen Film überhaupt nicht vor kommen. Hab ich die im Kino nur verpeilt oder ist das tatsächlich so?

    • Hey Oliver,

      danke für deinen Kommentar! Ich habe auch lange überlegt, wie ich mit dem Ende umgehen soll, habe dann aber für mich beschlossen, dass ich den Film – sobald er auf Blu-ray erscheint – ein zweites Mal sehen werde. Aber du hast recht: Das Ende ist enttäuschend und wäre es besser geworden, hätte ich locker 4/5 vergeben. Mich persönlich stört diese inkonsistenz weniger, da ich solche Filme mag. Kann es aber verstehen, wenn anderen Kinogängern das wichtiger ist. Ich mag es, wenn Filme sozusagen etwas mystisches haben :)

      Kannst du da konkrete Szenen im Trailer benennen? Mir ist nicht aufgefallen, dass dort etwas gefehlt hat.

      Viele Grüße,
      Florian

      • Oliver

        Wie gesagt, vielleicht sind sie mir im Kino entgangen aber ich bin der Meinung, dass folgende kurze Szenenausschnitte bzw. Bilder aus dem Trailer im Film entweder ganz oder teilweise gefehlt haben:
        0:14 – 0:20 (fast sämtliche Sequenzen in diesem Zeitraum)
        0:24 – 0:26 (speziell die kurze Tanzszene)
        0:53 (Die Hand auf dem Rücken. Kann mich nicht erinnern das so im Film gesehen zu haben)
        1:17 (Die Szene im Wasser mit diesen Pads auf dem Körper)
        2:00 – 2:02 (auch hier der komplette 2 Sekunden Ausschnitt bei dem sie sich näher kommen und fast küssen)

        • An die Tanzszene, „Hand auf dem Rücken“ und an die Szenen im Wasser kann ich mich tatsächlich auch nicht erinnern. Schon strange… vielleicht gibt es dann einen umfassenden Directors Cut? Oder der Film ist einfach so verwirrend, das einem diese Sequenzen entfallen :)

          Bei Godzilla waren z.B. auch andere CGI-Effekte als im fertigen Film zu sehen.