Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 2 „So nah und doch so fern“

Marie-Hélène Lefèvre 2. September 2015 2
Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 2 „So nah und doch so fern“

Runde 2 der Zombieapokalypse: Nachdem die erste Folge von „The Walking Dead„-Ableger „Fear the Walking Dead“ vergangene Woche Premiere hatte und uns den neuen Handlungsort und die neuen Charaktere vorstellte, folgte am Sonntag nun Episode 2 „So nach und doch so fern“ – auf Amazon Pime Instant Video ist sie seit Montag in Deutschland zum online und neuerdings offline Schauen abrufbar.

Das Virus greift um sich

Der Pilot der Serie endete damit, dass die erwachsenen Protagonisten Travis und Madison zum ersten Mal einen Untoten mit eigenen Augen sehen und ihrem drogenabhängigen Sohn Nick Glauben schenken. In Episode 2 machen sich die drei auf die Suche nach Tochter Alicia, um die Stadt gemeinsam zu verlassen. Sie finden sie bei ihrem Freund Matt, der mit Fieber im Bett liegt, nachdem er gebissen wurde. Wider Willen muss Alicia mit ihrer Familie nach Hause fahren und Matt zurücklassen. Sie ahnt noch nicht, was das Virus aus ihm machen wird. Zu Hause angekommen, soll sie auf Nick aufpassen, der ohne Drogen erste Entzugserscheinungen hat. Travis ist besorgt um seinen Sohn aus erster Ehe. Er fährt zur Wohnung seiner Ex-Frau Liza um Chris um sie abzuholen. Madison erinnert sich, dass es in ihrer High School Bestände von Oxycodon gibt – Tabletten, die Nicks Leiden lindern können – und fährt in die Schule. In den verlassenen Fluren trifft sie jedoch nicht nur auf ihren Schüler Tobias, sondern auch auf den untoten Schuldirektor, dem beide haarscharf entkommen können. Zurück im Haus der Familie, stellt Alicia ihre Mutter zur Rede, doch noch bevor es zur Aussprache kommt, werden sie Zeuge einer Attacke: Eine Nachbarin wird von einem Beißer in ihrem Garten angefallen.
Zeitgleich gelingt es Travis und Liza, Chris auf den Straßen L.A.s auf einer Demo ausfindig zu machen; doch noch bevor sie flüchten können, geraten sie in eine Straßenschlacht zwischen Bürgern und Polizisten und retten sich vor der wütenden Menge in einen Friseurladen, wo sie Ladenbesitzer Daniel Salazar, dessen Frau Griselda und Tochter Ofelia antreffen. Gemeinsam warten sie bis sich die Lage beruhigt, denn ein Verlassen des Ladens scheint zu gefährlich.

Spannung durch neue Wendungen

Folge 2 wartet mit einigen gelungenen dramaturgischen Kniffen auf. Eine interessante Wendung nimmt die Handlung, als sich die Wege der Protagonisten trennen und Travis zu seiner Familie fährt, während Madison Tabletten in der Schule sucht. Die Figur ihres intelligenten Schülers und Außenseiters Tobias kennen die Zuschauer bereits aus der ersten Folge und er ergänzt die anderen jugendlichen Figuren mit seinem sympathischen Nerd-Auftreten sehr gut. Schade, dass Madison ihn nicht gleich mitnimmt, sondern ihn wieder ziehen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass er in den weiteren Folgen noch eine Rolle spielen wird. Die Szene, in welcher Madison und Tobias in den leeren Schulgängen aufeinandertreffen, birgt die spannendsten Gruselmomente der Folge. Richtig spannend wird es dann, als das raschelnde Atemgeräusch des Schuldirektors über die Lautsprechanlage zu hören ist. Bei der anschließenden Auseinandersetzung mit dem Untoten, geht es erstmals richtig zur Zombie-Sache. Weitere Action liefert die randalierende Menge, vor welcher Travis, Liza und Chris flüchten. Blutrünstige Darstellungen, wie in der vorigen Folge, kommen nicht vor. Ob das Ganze trotzdem unbedingt einer FSK 18 – Beschränkung bedarf, sei dahingestellt. Jedenfalls muss der Amazon-Zuschauer eine eigens gewählte Pin eingeben, der als Jugendschutz fungiert.

Der Handlungsstrang um Travis führt neue Charaktere ein, auf die Travis im Friseurladen trifft. Es handelt sich um die spanischsprachige Familie Salazar, bestehend aus Vater Daniel, Mutter Griselda und jugendlicher Tochter Ofelia. Daniel möchte Travis, Liza und Chris nicht im Laden warten lassen, doch Mutter und Tochter setzen sich für die Fremden ein. Noch weiß man wenig über die neuen Charaktere. Bei Daniel handelt es sich um einen skeptischen, beschützerischen Vater. Seine Frau spricht nur Spanisch und betet für ihre Familie vor dem eigens eingerrichteten Schrein. Tochter Ofelia scheint eine freundliche Jugendliche zu sein. Die Situation schafft Raum für weitere Entwicklungen: Wie werden sie aus dem Laden flüchten können und wird Familie Salazar die Anderen auf ihrer Flucht begleiten? Familie Salazar spricht untereinander Spanisch; die Bedeutung der wenigen Sätze, die auf Spanisch gesprochen werden, können aus dem Zusammenhang geschlossen werden. Dennoch wären Untertitel hilfreich, insbesondere wenn in den weiteren Folgen mehr Spanisch gesprochen wird.

Innerhalb der zweiten Folge erfährt der Zuschauer auch mehr über den Verfall der Stadt. Wie Tobias Madison erzählt, fangen die alarmierten Bewohner an, Läden zu plündern. Auch das Strom- und Internetnetz bricht langsam zusammen: So fällt der Strom im Haus der Clarks aus und Handygespräche reißen häufig ab. Durch Chris‘ Teilnahme an der Demo, die sich spontan in der Innenstadt von Los Angeles bildet, sieht der Zuschauer die beginnende Anarchie, die sich in Form von randalierender Bürger äußert. Auch die letzte Szene der Folge macht klar, was die Angst aus den Menschen macht: Als Madisons Nachbarin von einem Beißer angefallen wird, hindert sie Alicia daran, ihr zur Hilfe zu eilen. Zu groß ist die Angst, dass ihrer Familie etwas geschieht.

Alle Woche wieder

Die zweite Folge macht Serienfans eines klar: wie verwöhnt man ist, wenn man normalerweise Serien staffelweise anschaut und dann nur eine Folge schauen kann. Gerade kommt die Handlung in Schwung und dann sind die 42 Minuten auch schon vorbei: Was für eine Qual! Die Folge enthält vielversprechende Wendungen und macht Lust auf mehr. Dazu werden neue Charaktere eingeführt. Die Frage, ob die Patwork-Familie wieder zusammenfindet oder Familie Salazar sie auf ihrer Flucht begleiten wird, wird auch nächste Woche wieder viele Zuschauer vor den Fernseher und diverse mobile Geräte ziehen. Am Sonntag wollten über 8 Mio US-Zuschauer wissen, wie es mit Nick und seiner Familie weitergeht. Ein ernormes Interesse, das Angesicht der aktuellen Wendungen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht abreißen wird.

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