Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 6 „Der gute Mensch“

Marie-Hélène Lefèvre 7. Oktober 2015 1
Fear the Walking Dead Staffel 1: Kritik zu Folge 6 „Der gute Mensch“

Den Mangel an Untoten macht das Staffelfinale wieder wett: Dieses Mal wandeln sie zu Hunderten über den Bildschirm. Die sechste Folge bildet den Abschluss der ersten Staffel, doch es bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen, denn ein weiteres Spin-off, die Webserie „Fear the Walking Dead: Flight 462“, startet und Mutterserie „The Walking Dead“ meldet sich schon am 11.Oktober zurück.

Die Nacht der Toten

Ende der fünften Folge finden die Protagonisten heraus, dass das Militär nicht die Rettung, sondern die Eliminierung der Bewohner der Zone vorsieht. Im Staffelfinale machen sich Madison, Travis und die Anderen deshalb zur Einrichtung auf, um Nick, Griselda und Liza zu holen und anschließend die Stadt zu verlassen. Der zuvor gefolterte Soldat Andrew soll ihnen ihren genauen Aufenthaltsort verraten. Dabei lässt sich Travis heimlich mit ihm auf einen Deal ein: Andrew sagt ihm, wo die Gesuchten sind und dafür lässt Travis ihn gehen. Um sich Eintritt in das vom Militär abgeschirmte Gebäude zu verschaffen, setzen Daniel, Travis und Madison alles aufs Spiel. Sie befreien die eingesperrten Untoten bei Nacht aus der Sporthalle und locken sie zum Eingang des Geländes. Die dadurch verursachte Aufruhr nutzen sie anschließend, um unentdeckt in das Gebäude zu gelangen. Inzwischen ist es Nick und Victor Strand gelungen sich aus ihrem Käfig zu befreien. Im Getümmel aus Untoten und Soldaten finden alle Protagonisten wieder zueinander. Gemeinsam versuchen sie zu flüchten, doch da taucht Andrew plötzlich auf, um sich an seinem Folterer zu rechen. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht und Victor führt sie zu seinem am Meer liegenden Haus. Die Gruppe wiegt sich für kurze Zeit in Sicherheit, doch die nächste Ernüchterung folgt auf dem Fuße: Einer aus der Gruppe wurde gebissen.

Wo die Reise hinführt

Nach fünf Folgen ist die Handlung soweit fortgeschritten, dass sich die Protagonisten von „Fear the Walking Dead“ dem nackten Überlebenskampf stellen müssen. Die Untoten dabei als Waffe im Kampf gegen das Militär zu nutzen, ist eine überraschende Wendung, die für viel Spannung sorgt, denn der Zuschauer ahnt, dass die entfesselte, unkontrollierbare Menge von Untoten auch den Charakteren zum Verhängnis werden kann. Dass die Folge größtenteils bei Nacht spielt, begünstigt die Schreckmomente, die im verwinkelten, unübersichtlichen Gebäude entstehen.
Wie schon in vorigen Episoden, wird auch in „Der gute Mensch“ Menschlichkeit zum Thema gemacht und in mehreren Facetten gezeigt. Victor Strand rettet zwar Nick, lässt aber auch bewusst die anderen Gefangenen zurück. Daniel will Andrew lieber tot sehen als ihn gehen zu lassen und Andrew will sich im Gegenzug um jeden Preis an Daniel und Ofelia rächen. Als Andrew auf Ofelia schießt, überkommt Travis eine rasende Wut und er schlägt den Soldaten bewusstlos. Wer der gute Mensch also ist, der dieser Folge den Titel gibt, bleibt unklar. Es spricht aber einiges dafür, dass Travis gemeint ist, der durch seine gutmütige Art unabsichtlich die gesamte Gruppe in Gefahr bringt und am Ende das tun muss, was er nie tun wollte: einen Menschen töten. Er bleibt als gebrochener Mann zurück.
Nick spricht gegen Ende die Frage aus, die sich auch der Zuschauer stellt, nämlich, wo die Geschichte hinführen wird. Victor stellt in Aussicht, dass sie auf seiner Yacht Zuflucht finden können. Doch wird die Gruppe den Verlust verkraften? Vorerst lassen uns die Serienmacher im Ungewissen über das Schicksal von Travis und Co., denn für die zweite Staffel sind neue Charaktere und ein neuer Ort vorgesehen. Die Möglichkeit besteht aber durchaus, dass die Figuren in der zweiten Staffel von „Fear the Walking Dead“ noch einmal vorkommen oder dass es ein Crossover zwischen den Serien geben wird, d.h. eine der „Fear the Walking Dead“-Figuren in der Originalserie vorkommt.

Ein voller Erfolg

„Fear the Walking Dead“ dürfte seine Macher als erfolgreiches Spin-off mehr als zufrieden gestimmt haben. Obwohl die Einschaltquoten von Folge zu Folge leicht abnahm, bescherte sie dem vergleichsweise kleinen US-Sender AMC Traumquoten im zweistelligen Millionen-Bereich. Die Serie ist als eigenständige Serie mit neuen Charakteren und neuem Handlungsort an den Start gegangen und zu einem gewissen Grad ist es ihr auch gelungen, einen eigene Tonalität zu finden, die maßgeblich durch die Familien und deren Miteinander geprägt ist. So hat sie in sechs Folgen den Ausbruch des Virus aus der Perspektive einer durchschnittlichen Familie gezeigt. Erstmals standen dabei mehrere Jugendliche im Mittelpunkt und die Folgen haben sich Zeit genommen den Umschwung von Normalität zu Chaos zu beleuchten. Die Spannung konnte dabei nicht durchgehend gehalten werden. Folge 4 stach durch seine Spannungsmomente positiv hervor und bildete bis dahin den Höhepunkt der Staffel. Die Erzählgeschwindigkeit und der Schwerpunkt auf zwischenmenschlichen Beziehungen hat das Spin-off mit seiner Mutterserie gemein. Eine der großen Stärken von „The Walking Dead“ ist die Entwicklung seiner Figuren. Auch „Fear the Walking Dead“ zeigt facettenreich auf, was drohende Gefahr aus den Menschen macht und wie sich die Charaktere verändern. Schade ist, dass sechs Folgen schon alles war, was die Zuschauer von Travis und den Anderen sehen werden. Vor allem der Cast-Neuzugang Colman Domingo als Victor Strand hat die Gruppe zuletzt sehr gut ergänzt und hat viel Potential gezeigt.

In jedem Fall arbeiten die „The Walking Dead“- Macher daran, das Serienuniversum weiter auszubauen. Passend zur TV-Ausstrahlung des Staffelfinales erschien in den USA auch die erste Folge der Webserie „Fear the Walking Dead: Flight 462“. In der 1.25 Minuten kurzen, ersten Episode verfolgen die Zuschauer das Schicksal von Flugpassagieren, deren Flugzeug gerade dabei ist abzuheben, als sich die Krise am Boden manifestiert. Im Mittelpunkt stehen ein Jugendlicher, der besorgt mit seiner zurückgebliebenen Mutter telefoniert und eine junge Frau, die mehr als die Anderen an Bord zu wissen scheint. Das Szenario macht einen soliden, ersten Eindruck und wird insgesamt aus 16 Teilen bestehen, die wöchentlich erscheinen. Verantwortlich für die Webserie zeichnen u.a. „Fear the Walking Dead“-Autoren und Produzenten Dave Erickson und David Wiener.
Auf AMC ist währenddessen fliegender Wechsel angesagt: „Fear the Walking Dead“ wird kommenden Sonntag bereits von der lang erwarteten sechsten Staffel von Originalserie „The Walking Dead“ abgelöst. Zombie-Fans müssen folglich nicht lange warten – auch nicht auf die zweite Staffel von „Fear the Walking Dead“, die 2016 im Fernsehen zu sehen sein soll.

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